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Ansprache des Oberbürgermeisters Wolfgang Griesert

Sehr geehrte Frau Bohnenkamp,
sehr geehrter Herr Heinecke,
sehr geehrte Musikerinnen und Musiker der Neuen Hofkapelle,
sehr geehrter Ehrenbürger Fip,
liebe Ratsmitglieder,
liebe Bürgermedaillenträger,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie ganz herzlich hier im Friedenssaal, der, wenn er Augen und Ohren hätte, schon so manches gesehen und gehört hätte: Der Friedenssaal könnte mit uns  auf eine lange Reihe prominenter Gäste zurückblicken, auf Lesungen und Konzerte, Empfänge und andere würdige und repräsentative Veranstaltungen. Daher sagen einige, der Friedenssaal sei das Herz der Stadt, andere sagen, dieser Raum sei doch eher der Kopf der Stadt. Wie auch immer: wenn wir etwas besonders herausstellen, dann wählen wir den würdigen Rahmen dieses Saales.

Auf diese Weise beteiligen wir uns selbst daran, die Geschichte unserer Stadt fortzuschreiben, auf das die Zukünftigen sich einmal unserer erinnern. Daher würde ich sagen, dieser Raum ist das Gedächtnis der Stadt.

Und so hoffe ich sehr, dass wir mit dem heutigen Empfang einen neuen Ton in die moderne Komposition der Stadtgeschichte einführen, der noch lange nachklingt und hoffentlich ein breites Publikum findet.

Dass wir die Gründung eines neuen Ensembles feiern dürfen, ist in unserer Zeit wirklich etwas ganz Besonderes: Es werden zwar neue Konzerthäuser gebaut und es wird über akustische Herausforderungen fast so intensiv diskutiert wie über Fußball, dennoch hat die klassische Musik einen schweren Stand und ist stets von finanziellen Engpässen bedroht. Insofern ist es eine besonders geschickte Fügung, dass wir die „Neue Hofkapelle Osnabrück“ ausgerechnet heute vorstellen können, denn wir eröffnen nachher den Deutschen Stiftungstag 2017 in der OsnabrückHalle.

Sie, liebe Frau Bohnenkamp, haben mit Ihrer Stiftung aus diesem Engpass einen Weg gemacht, der nun von der „Neuen Hofkapelle Osnabrück“ begangen werden kann, der zurück in die Geschichte Europas führt.

Und Sie waren überzeugt davon, dass Sie die Hofkapelle fördern wollten, noch bevor Sie überhaupt die ersten Töne gehört hatten. Das mag überraschend sein, überrascht mich aber eigentlich nicht: Sie - zumal unsere Möser-Medaillen-Trägerin - sind einfach so: mutig und entschlossen. Das Ensemble kann sich nun musikalisch einer Zeit widmen, die aufs Engste mit der Geschichte der Friedensstadt verbunden ist – mit dem 17. Jahrhundert, mit dem 30Jährigen Krieg und dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück. Vielleicht können die Musiker uns zu Gehör bringen, dass schon diese Musik – lange vor Beethoven – eine Idee zum Klingen bringt, die wir heute mit dem Namen „Europa“ verbinden. Vor dem Hintergrund unseres aktuellen Ringens um Europa wäre dieses historische Interesse also höchst aktuell und zukunftsweisend.

Aber, meine Damen und Herren, wie klingt eigentlich eine Hofkapelle und was ist eine „Hofkapelle“? Ein Musikensemble oder ein kleines Gebäude? Lange Zeit war nicht klar, was in den Annalen der Stadt Osnabrück mit Hofkapelle gemeint ist: ein Gebäude oder ein Ensemble?

Inzwischen hat sich geklärt, was schon lange klar, aber nicht mehr bekannt war, dass es nämlich in der Tat im Osnabrück des 17. Jahrhunderts eine Hofkapelle gab, über die 1937 Dr. Franz Bösken in seiner Musikgeschichte der Stadt Osnabrück berichtet:

„Eine besondere Pflege erfuhr die weltliche Musik am bischöflichen Hofe durch den Bischof Ernst August I. aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg. Er wohnte zu Beginn seiner Regierungszeit mit seiner Frau Sophie von der Pfalz auf dem Schlosse Iburg, später, 1679, erbaute er in der Stadt Osnabrück das neue Schloß. Vor allem war seine Gemahlin Sophie sehr musikliebend. Auf ihre Veranlassung wurden französische Musikanten nach Iburg berufen.“

In einem ihrer Briefe schreibt Sophie über das Musikleben an ihrem Hofe: "...um mich ein wenig zu belustigen, ist unser Tanzmeister aus Paris mit einer sehr guten Gruppe… zurückgekommen… So ertönt Musik durch das ganze Haus bis zu den Zimmern, wo meine Kinder auf dem Hackebrett und der Pochette spielen."

An diese Tradition knüpft also die „Neue Hofkapelle Osnabrück“ an, und  nimmt einen Faden wieder auf, der verloren war, ohne dass jemand ihn vermisst hätte. Und so danke ich Ihnen, lieber Herr Heinecke, dass Sie Ihren lang gehegten Wunsch mit Hilfe der „Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung“ erfüllen konnten. Ich hoffe, dass uns zum Vergnügen wird, was Ihnen und dem ganzen Ensemble Erfüllung ist.

Ich darf aber neben Frau Bohnenkamp und Herrn Heinecke einen Dritten im Bunde nennen, ohne den Stiftung und Musiker nicht zusammengekommen wären.

Lieber Dr. Jürgensen, Sie kannten die Musiker und Sie kannten Frau Bohnenkamp und haben dafür gesorgt, dass sich diejenigen finden, die sich eigentlich gar nicht gesucht haben, haben dafür gesorgt, dass aus einer Idee ein Projekt wird und haben dafür gesorgt, dass wir uns heute darüber freuen, dass unsere Stadt durch ihren neuen Botschafter einen neuen Klang erhält. Ich bin überzeugt, dass wir von der „Neuen Hofkapelle Osnabrück“ noch viel hören werden.

Ich danke Ihnen, liebe Gäste, für Ihre Aufmerksamkeit!

Ansprache von Frau Gisela Bohnenkamp

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Griesert,
sehr geehrter Herr Heinecke,
sehr geehrte Musikerinnen und Musiker der „Neuen Hofkapelle Osnabrück“,
meine Damen und Herren.

Zunächst möchte ich Ihnen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, ganz herzlich dafür danken, dass Sie uns die Ehre geben, die „Neue Hofkapelle Osnabrück“ als einen weiteren Förderschwerpunkt der Friedel und Gisela Bohnenkamp-Stiftung im Friedenssaal des Rathauses Osnabrück vorstellen zu dürfen. Das ist wirklich eine große Ehre, die die Bedeutung dieses Projektes für die Stiftung, aber hoffentlich auch für Stadt und Region, unterstreicht.
Ich danke Ihnen auch für Ihre ebenso freundlichen wie ermutigenden Worte.
Aber, warum fördern wir eigentlich die „Neue Hofkapelle Osnabrück“? Warum ist es meiner Stiftung ein großes Anliegen, dass die Musik dieses Ensembles nicht nur in irgendwelchen Proberäumen ungehört verhallt, sondern gehört wird von Menschen, die sich von der Kraft, der manchmal auch heilenden Kraft der Musik, besonders der Barock-Musik bewegen lassen möchten?
Meine Damen und Herren, ich habe es selbst erlebt, als die „Neue Hofkapelle Osnabrück“ einigen Gästen auf dem Gut Sutthausen die Kunst ihres Könnens vorgeführt hat. Ich habe erlebt, dass Barock-Musik auf eine Weise zu rühren vermag, wie es nur große Kunst kann. Diese Berührung verwandelt diejenigen, die sich ergreifen lassen wollen, die sich hingeben können. Diese Hingabe gelingt vielleicht nicht immer, aber wenn sie gelingt, dann vereinen sich „Kunst, Kultur und Wissenschaft“ – wie Sie vielleicht wissen: Ein Zweck meiner Stiftung.
Und daher hoffe ich, dass wir durch diese Musik ein Beispiel für die Leidenschaft geben können, die immer dann ins Leben eingreift, wenn Menschen etwas wollen, an sich arbeiten, sich bilden und dadurch über sich hinaus wachsen.
Insofern bringt die Hofkapelle, wenn ich das so sagen darf, das Herzensanliegen unserer Stiftung zum Klingen! Bildung!
Meine Damen und Herren, als Dr. Jürgensen mir das erste Mal vor Weihnachten im Rahmen eines Gespräches über Justus Möser von Christian Heinecke und den Musikern seiner Kapelle erzählte, konnte ich nicht ahnen, dass wir nach so kurzer Zeit – also heute - schon dieses Barockensemble präsentieren können.
Das alles hat auch mit Freude an der Musik zu tun, die unsere Welt lebenswerter macht.
Die Stiftung hat ein Cello gekauft, ein wunderschönes Instrument, dessen Schnecke ein Löwenkopf ist. Dieser Löwe wird demnächst das Logo der „Neuen Hofkapelle Osnabrück“ sein.
Der „Neuen Hofkapelle Osnabrück“ wünsche ich, dass sie sich nach dem geglückten Start die Leidenschaft für ihre Musik bewahrt und damit zu vielen neuen Höhepunkten in der Musikszene unserer Region beiträgt.
Es ist noch viel zu tun. Aber nun sind wir endlich da, wo wir sein wollten: Am Anfang!

Herzlichen Dank!

Ansprache von Christian Heinecke,
Gründer der Neuen Hofkapelle Osnabrück

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr verehrte, liebe Frau Bohnenkamp,
sehr geehrte Anwesenden,

wir freuen uns, das heute endlich der 17. Mai ist, weil dies der lang ersehnte Startschuss ist, an dem wir uns der Öffentlichkeit vorstellen können und freuen uns ganz besonders, dass das hier im Rathaus im Friedensaal erfolgt.
Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, haben mir schon einiges geschichtliches zum Thema Hofkapelle vorweggenommen, aber das freut mich, denn es zeigt, dass der Name Neue Hofkapelle Osnabrück, richtig gewählt wurde, denn er macht neugierig darauf zu erfahren, ob es denn auch schon einmal eine Hofkapelle Osnabrück gegeben hat. Also, der Herr Oberbürgermeister hat es ja schon verraten: es hat sie gegeben, vor etwa 340 Jahren, hier im Schloss Osnabrück.
Und ergänzend zu seinen Ausführungen möchte ich gerne hinzufügen: die erste eigentliche Hofkapelle wurde von dem Bischof Philipp Sigismund von Wolfenbüttel eingerichtet. Er residierte noch auf dem alten fürstbischöflichen Schloss zu Iburg, bevor das Schloss in Osnabrück gebaut wurde. Die Osnabrücker Chronik schreibt über seine Liebe zur Musik:

„und weil ihre Fürstliche Gnade große Lust zu guter Music hatte, ward eine stattliche Hofcapelle gehalten, von kunstreichen Musikanten, die theils auf allerley musicalischen Instrumenten theils in Musica vocali gut erfahren waren.“
In einem Inventarium, welches zu seiner Zeit (um 1600) von Schloss Iburg aufgestellt wurde, werden genannt "Musicanten sambt der Jungen 18 Personen, Trumpeter 5"

Die 5 Trompeter dienten natürlich insbesondere dem Nachrichtenwesen.

Aus den Hofhaltungsrechnungen ist klar zu ersehen, dass die Musikanten fest besoldet waren und zum Hofpersonal gehörten. Der Bischof Franz Wilhelm lies im Jahre 1643 eine Hofordnung ausarbeiten,  die als "Die Fürstliche Osnabruggische Hoffordnung 1651" publiziert wurde.
In dieser Ordnung sind die Pflichten vor allem der Trompeter fest umschrieben:

1. Unser Dienst ist vor sich selbsten genugsamb bekannt; bey hoff sollen Sie zum essen, auch wann Ihre Hochf. es befehlen, in der Kirchen zu der Music blaesenn.
2. Auff den reysen sollen Sie allemahlen vorher des Hofstaat reitten. In Städten und vornehmen ohrterenn gebüerendt blaesenm wann wir durch oder vorüber reysenn.
3. Der Dienst wechselt wöchentlich.
4. Zu Hoff bey der Tafell und auch am Junkerntisch können sie hier auffwarten.

 

Nachdem 1679, das Schloss in Osnabrück fertig war, belegen die Quellen, dass sogar ein Tanzmeister aus Paris angestellt wurde und auf Reisen, die Ernst August und seine Sophie nach Paris machten nicht nur Kleider gekauft wurden, sondern auch französische Musik mitgebracht wurde, die von der Hofkapelle aufgeführt wurden. Dieser kurze geschichtliche Ausflug zeigt also, es gab ein intensives kulturelles Leben am Hofe, mit Musik, Tanz und Theater auf einer eigens dafür eingerichteten Bühne im Schloss.

Wir von der Neuen Hofkapelle Osnabrück wollen diese fast vergessene Tradition also wieder aufleben lassen und uns ausschließlich der Musik widmen zwischen 1600 und 1760. Also hören sie von uns auch Musik, die zum Teil noch im 30jahrigen Krieg entstanden ist. Wir spielen alle auf historischen Instrumenten. D.h. wir haben Kopien der Instrumente, die den Musikern damals zur Verfügung hatten. Sie werden bei uns also Barocktrompeten, Barockoboen, Traversflöten und Barockstreicher mit Darmsaiten hören.

Wir werden in einer eigenen Konzertreihe Komponisten zu Gehör bringen, deren Namen sie vermutlich noch nie gehört haben. Hand aufs Herz, kennen sie die italienischen Komponisten Guiseppe Valentini, Francesco Geminiani, Giovanni Mossi? Oder die deutschen Komponisten des Dresdner Hofes Johann David Heinichen? Oder kennen sie Johann Bernhard Bach? Ein Cousin 2. Grades von Johann Sebastian Bach? Bei uns werden sie sie kennenlernen! Und ich verspreche ihnen: Diese Musik wird sie berühren!

Unser großes Eröffnungskonzert – dann im wahrsten Sinne mit Pauken und Trompeten! -  ist aus terminlichen Gründen leider erst nach dem Sommer. Merken sie sich bitte den 13. September 20:00 Uhr vor. Wo? Natürlich im Schloss Osnabrück!

Besonders freue ich mich, dass wir bei diesem Konzert zusammen mit der international bekannten Gambistin Hille Perl, sowie der Flötistin Barbara Heindlmeier spielen werden. Beide haben sofort zugesagt uns beim Aufbau der Neuen Hofkapelle Osnabrück zu unterstützen und freuen sich auf das Konzert.

Zum Schluss gilt mein Dank natürlich der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung, allen voran der Stifterin selbst, Frau Bohnenkamp.  Ohne diese Unterstützung wäre unsere Arbeit natürlich völlig undenkbar. Und heute Abend, wenn wir in großer Besetzung in der Osnabrückhalle beim Bundesverband der Stiftungen spielen, dann sind ja auch die großen Stiftungen dabei, Bosch und Siemens z.B. dann zeigen wir denen mal, was wir für eine tolle Stiftung hier in Osnabrück haben.

Herzlichen Dank!