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Die Neue Hofkapelle Osnabrück

 

Die Neue Hofkapelle Osnabrück wurde von Christian Heinecke und weiteren Berufsmusikern und Berufsmusikerinnen aus Osnabrück und Umgebung 2015 gegründet. Alle vereinte der Wunsch, Musik aus dem ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhundert zu spielen, die im Leben eines Berufsmusikers an einem Theater oder in einem Sinfonieorchester oft nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Neue Hofkapelle Osnabrück spielt auf historischen Instrumentarium, verwaltet sich selbst und die Programme werden in Absprache mit allen Mitgliedern getroffen. Seit 2017 wird die Neue Hofkapelle Osnabrück von der Friedel & Gisela Bohnenkamp-Stiftung gefördert.

Die Neue Hofkapelle Osnabrück heißt nicht zufällig Neue Hofkapelle Osnabrück: es gab nämlich auch schon eine alte Hofkapelle:

„Die erste eigentliche Hofkapelle wurde von dem Bischof Philipp Sigismund von Wolfenbüttel (1591-1623) eingerichtet. Er residierte auf dem alten fürstbischöflichen Schloss zu Iburg. [...] Die Osnabrücker Chronik schreibt über seine Liebe zur Musik: „und weil ihre Fürstliche Gnade große Lust zu guter Music hatte, ward eine stattliche Hofcapelle gehalten, von kunstreichen Musikanten, so theils auf allerley musicalischen Instrumenten theils in Musica vocali gut erfahren waren.“ (Aus: Dr. Franz Bösken, Musikgeschichte der Stadt Osnabrück, 1937)

„Eine besondere Pflege erfuhr die weltliche Musik am bischöflichen Hofe durch den Bischof Ernst August I. aus dem Hause Braunschweig-Lüneburg. Er wohnte zu Beginn seiner Regierungszeit mit seiner Frau Sophie von der Pfalz auf dem Schlosse Iburg, später, 1679, erbaute er in der Stadt Osnabrück das neue Schloß. Vor allem war seine Gemahlin Sophie sehr musikliebend. Auf ihre Veranlassung wurden französische Musikanten nach Iburg berufen; als Tanzmeister wurde Jemmes aus Paris angestellt.“ (ebd.)

Die Neue Hofkapelle Osnabrück stellt sich ganz bewusst in diese fast verschollene Tradition Osnabrücks. So wendet sich dieses Ensemble auf historischen Instrumenten Kompositionen zu, die die alte Hofkapelle – zumindest teilweise – durchaus schon hätte spielen können; und stößt dabei auch auf Werke von Komponisten, die in Vergessenheit geraten sind. Wir kennen natürlich Johann Sebastian Bach und Antonio Vivaldi, aber wer kennt schon Francesco Geminiani? Vermutlich nur einige Eingeweihte! Wir kennen Georg Philipp Telemann und Georg Friedrich Händel, aber wer kennt schon Guiseppe Valentini? Vermutlich nur Spezialisten! Und so konzentriert sich die Neue Hofkapelle Osnabrück auf die Zeit des Barocks, spielt Bekanntes, erforscht Unbekanntes, um auch dieses, sofern es den hohen Qualitätsansprüchen des Orchesters genügt, einem größer werdenden Publikum bekannt zu machen, das sich von den klaren Strukturen der Musik des Barocks in den Bann schlagen und begeistern lässt. Auf diese Weise neigt sich die historische Forschung dem praktischen Musizieren entgegen, um von diesem neue Impulse für die weitere Forschung zu erhalten.

Die noch junge „Neue Hofkapelle Osnabrück“ bietet also musikalische Programme an, die im wesentlichen aus einer Zeit stammen, in der die Wunden des dreißigjährigen Krieges nur langsam verheilten. Vielleicht haben Komponisten in dieser Zeit die „Tränen des Vaterlandes“ (Andreas Gryphius 1636) in Noten verwandelt, die im Spiel hörbar werden lassen, was Gryphius nur schweigend andeuten konnte:

„Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer denn die Pest, und Glut und Hungersnot,

Dass auch der Seele Schatz so vielen abgezwungen.“ 

Wir müssen wissen, woher wir kommen, um zu klären, was wir aufbewahren und mitnehmen wollen. Die Musik aus der Zeit der Geburtswehen des modernen Europas ist unverzichtbar für diesen Bildungsprozess.